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Bakterien in der Mundhöhle könnten die Ursache für Übergewicht sein

Übergewichtige haben eine andere Bakterienflora im Mund als Normalgewichtige. 7 von 40 untersuchten Bakterien kamen bei übergewichtigen Frauen deutlich häufiger vor als bei normalgewichtigen, haben amerikanische Forscher gezeigt. Besonders ein Bakterium, das auch mit Zahnfleischerkrankungen in Zusammenhang gebracht wird, fand sich bei Überwichtigen in hoher Konzentration.

Möglicherweise könnte die Zahnfleischerkrankung Übergewicht auslösen und nicht umgekehrt, wie bisher vermutet, schreiben Max Goodson vom Forsyth Institute in Boston und seine Kollegen im Fachmagazin «Journal of Dental Research» (doi: 10.1177/0022034509338353).

Die Forscher untersuchten die Speichelproben von 313 Frauen mit einem «Body Mass Index» (BMI) zwischen 27 und 32. Bei einem BMI von über 30 wird nach der gängigen Definition von Fettleibigkeit gesprochen. Als Kontrollgruppe dienten 232 normalgewichtige Probandinnen aus einer Studie zu Zahnfleischerkrankungen. Mittels DNA-Proben bestimmten die Forscher den Anteil und die Anzahl von 40 Bakterienarten im Speichel. Der Anteil von sieben dieser 40 Bakterien war im Speichel von Übergewichtigen messbar höher als bei Normalgewichtigen. Ein Bakterium, Selenomonas noxia, scheint im Zusammenhang mit Übergewicht in besonders hoher Konzentration aufzutreten. 98 Prozent aller übergewichtigen Frauen konnten allein aufgrund des erhöhten Anteils dieses Bakteriums im Vergleich zu Gesunden identifiziert werden. Selenomonas noxia tritt nicht nur bei Übergewicht, sondern auch bei Zahnfleischerkrankungen in erhöhtem Maße auf.

Wer an Übergewicht leidet, hat auch ein höheres Risiko für Zahnfleischerkrankungen, zeigen Studien. Beides geht mit erhöhten Pegeln von Stoffen einher, die Entzündungsreaktionen auslösen. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass es entzündungsfördernde Stoffe im Fettgewebe sind, die auch die Zähne angreifen. Möglicherweise könnten aber auch Zahnfleischerkrankungen durch die erhöhten Entzündungswerte zu Übergewicht führen, sagen die Wissenschaftler um Goodson. Wenn Bakterien tatsächlich an der Entstehung von Übergewicht beteiligt sind, könnten sich ganz neue Möglichkeiten für die Therapie ergeben, folgern die Forscher aus ihren Ergebnissen.

 

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Die Parodontitis ist eine der häufigsten bakteriellen Infektionserkrankungen weltweit, die durch lokalisierte oder generalisierte Entzündung des Parodonts gekennzeichnet ist und mit Knochenabbau und Verlust an parodontalem Attachment einher geht. Seit längerem wird die Parodontitis als Auslöser oder Risikofaktor für verschiedene systemische Erkrankungen diskutiert, so auch für die koronare Herzerkrankung, die in den westlichen Industrienationen immer noch Todesursache Nr.1 ist.Viele Hinweise deuten auf einen möglichen epidemiologischen Zusammenhang zwischen der chronischen Parodontitis und der koronaren Herzerkrankung, zum Beispiel die direkte Verwicklung parodontalpathogener Mikroorganismen in den atherosklerotischen Prozess, die direkte Verwicklung von Entzündungsmediatoren der Parodontitis in die Atheromatose und gemeinsame Prädispositionsmechanismen, die beide Erkrankungen beeinflussen.

Während der letzten 20 Jahre haben verschiedene Studien über die Beziehung der Erkrankungen der Herzkranzgefäße und Zahnbettentzündung berichtet. Das Risiko der Herzerkrankungen wuchs um 168 Prozent bei Patienten, die Zahnbetterkrankungen aufwiesen. Es gibt verschiedene Mechanismen, die einen Zusammenhang zwischen Herz- und Zahnbetterkrankungen bewirken können. Hierbei kann die Verstopfung der Herzkranzgefäße ebenso durch Fehlsteuerung körpereigener Blutgerinnungsstoffe erfolgen, wie auch durch zwei Mikroorganismen, die im Mund gefunden werden. Im Tierversuch konnte gezeigt werden, daß im Falle der intravenösen Injektion von solchen Mikroorganismen herzanfallartige Reaktionen ausgelöst wurden. Es scheint mehr als wahrscheinlich, daß infolge einer Zahnbettentzündung mit dem Eintritt von Mikroorganismen in die Blutbahn spezielle Entzündungs- und möglicherweise Immunfaktoren einen deutlichen Risikofaktor für die Erkrankung der Herzkranzgefäße darstellt. Diese Zusammenhänge konnten vor 20 bis 30 Jahren noch nicht erkannt werden. Damals war die Zahnbettentzündung praktisch noch allgemein verbreitet. In den Ländern wie USA und Finnland, wo diese Untersuchungen herstammen, haben heute viele 40- bis 60jährigen dank der Behandlung und Prophylaxe keine Zahnbettentzündung mehr. In unseren Regionen kann dieser Nachweis noch kaum erbracht werden, da die Verbreitung der Parodontitis in diesem Alter fast überall sehr hoch ist und damit keine signifikanten Unterschiede herauskristallisiert werden können. Nach allem Dafürhalten geben diese Erkenntnisse der Behandlung und vor allem den systematischen Bemühungen zur Verhütung von Zahnbetterkrankungen einen neuen herausragenden Stellenwert.

 

Parodontose und Frühgeburt?

Neuere Erkenntnisse zeigen, daß umgekehrt auch die Parodontitis Auswirkungen auf systemische Erkrankungen hat. Dies sind kardiovaskuläre Erkrankungen, Herzklappenerkrankungen und untergewichtige Frühgeburten. Diese werden durch ein Gewicht unter 2500 g und einen Zeitpunkt der Geburt vor der 37. Woche definiert. Schwangere mit Parodontitis haben hierzu ein siebenmal größeres Risiko. Eine Reihe von Studien zeigt, daß die Parodontitis das fetale Wachstum beeinträchtigen kann. Verschiedene biochemische Marker scheinen in Bezug auf den Zusammenbruch von Bindegewebe kritisch zu sein. Patientinnen, die untergewichtige Kinder gebären, haben überwiegend schwere Parodontitis-Erkrankungen im Gegensatz zu Müttern von normalgewichtigen Kindern. Der Risikoeffekt der Parodontitis auf den Verlauf der Schwangerschaft muß um einiges höher angesetzt werden als der des Rauchens oder des Alkoholabusus. Circa 18 Prozent aller untergewichtigen Frühgeburten könnten vermieden werden, wenn keine Parodontitis bei den werdenden Müttern vorläge. Damit könnten z. B. in den USA 45.000 Frühgeburten pro Jahr vermieden werden, dies bedeutete Einsparungen von ca. 1 Billion Dollar Kosten für Intensivpflege.

 

 

Parodontose und Diabetes

 

 

Bekannt ist, dass Diabetes zu schwerwiegenden Folgekrankheiten an Nieren, Augen und Nerven führen kann. Sie entstehen, weil der erhöhte Zucker(Glukose-)spiegel im Blut sowohl die großen als auch die kleinen Blutgefäße schädigt. Dabei bilden bestimmte Eiweiße und Zucker Produkte, die dazu führen, dass der Körper vermehrt Entzündungsbotenstoffe ausschüttet. Sie schüren Entzündungen an – auch im Bereich des Zahnhalteapparats, mit dem die Zähne im Knochen verankert sind. Medizinisch nennt man diese Form der Erkrankung Parodontitis – im Gegensatz zur so genannten Gingivitis, die ausschließlich das Zahnfleisch betrifft. „Das Risiko, daran zu erkranken, ist für schlecht eingestellte Diabetiker dreimal so hoch wie für Gesunde“, erklärt Søren Jepsen, Direktor der Poliklinik für Paradontologie an der Universität Bonn. Experten zählen Parodontitis deshalb inzwischen zu einer der typischen Folgekrankheiten des Diabetes.

Doch ist der Zusammenhang zwischen Diabetes und Parodontitis noch weitaus enger. Umgekehrt kann auch die Munderkrankung den Diabetes negativ beeinflussen. „Ursache dafür sind die Entzündungsherde im Mund. Sie können die Insulinresistenz der Zellen verstärken“, erläutert Søren Jepsen. Die Blutzuckerwerte steigen, sie schwanken und lassen sich nur sehr schwer einstellen. Die beiden Krankheiten bilden also einen Teufelskreis: Einerseits kann Diabetes Parodontitis begünstigen oder eine bestehende verstärken. Andererseits kann die Munderkrankung den Blutzucker in die Höhe treiben.

Rauchen größter Risikofaktor

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollten Zuckerkranke darauf achten, dass ihr Blutzuckerspiegel möglichst gut eingestellt ist. Daneben sind regelmäßige Kontrollen durch den Zahnarzt mit einem speziellen Früherkennungstest für Parodontitis ratsam. Das empfiehlt der Experte jedoch auch allen Nicht-Diabetikern: „Denn Parodontitis verursacht kaum Schmerzen und muss sich auch nicht in Zahnfleischbluten äußern.“ Erhöhte Zahnbeweglichkeit und Zahnverschiebungen sind typische Zeichen dafür, dass die Krankheit bereits weit fortgeschritten und dann nur noch schwer zu therapieren ist. Neben dem Gang zum Zahnarzt gehört sorgfältige Mundhygiene zu den wichtigsten Vorbeugemaßnahmen. Søren Jepsen dringlichster Rat ist jedoch, nicht zu rauchen: „Denn Rauchen ist der größte Risikofaktor für Parodontitis.“